① Fünf Teststufen — CTFL Kap. 2.2.1
Framework: 5 Attribute je Teststufe (CTFL Kap. 2.2.1) — Der Lehrplan unterscheidet Teststufen anhand von genau fünf Attributen, um Überschneidungen zu vermeiden: ① Testobjekt · ② Testziele · ③ Testbasis · ④ Fehlerzustände & Fehlerwirkungen · ⑤ Vorgehensweise & Verantwortlichkeiten. Diese fünf Attribute strukturieren auch die Karten unten — und sind prüfungsrelevant.
Stufenübergang: In sequenziellen SDLC-Modellen (z.B. V-Modell) sind die Endekriterien einer Teststufe typischerweise Teil der Eingangskriterien der nächsten Stufe — Teststufen sind also nicht unabhängig, sondern verkettet.
Stufenübergang: In sequenziellen SDLC-Modellen (z.B. V-Modell) sind die Endekriterien einer Teststufe typischerweise Teil der Eingangskriterien der nächsten Stufe — Teststufen sind also nicht unabhängig, sondern verkettet.
Stufe 1 · CT
Komponententest
Component / Unit Testing
Testobjekte
Testbasis
Typische Fehlerzustände
Verantwortlich
Besonderheiten
Stufe 2 · CIT
Komponentenintegrationstest
Component Integration Testing
Testobjekte
Testbasis
Typische Fehlerzustände
Verantwortlich
Integrationsstrategien
Stufe 3 · ST
Systemtest
System Testing
Testobjekte
Testbasis
Typische Fehlerzustände
Verantwortlich
Besonderheiten
Stufe 4 · SIT
Systemintegrationstest
System Integration Testing
Testobjekte
Testbasis
Typische Fehlerzustände
Verantwortlich
Besonderheiten
Stufe 5 · UAT
Abnahmetest
Acceptance Testing
Testobjekte
Testbasis
Typische Fehlerzustände
Verantwortlich
Entscheidung
⚡ Zusammenhang: Reihenfolge CIT ↔ SIT — Der Systemintegrationstest (Stufe 4) findet nach dem Systemtest (Stufe 3) statt, nicht davor. Die logische Reihenfolge ist: CT → CIT → ST → SIT → Abnahmetest. Viele verwechseln das, weil beide „Integrationstests" heißen — aber CIT testet Schnittstellen zwischen Komponenten, SIT testet Schnittstellen zwischen Systemen.
② Integrationsstrategien · CTFL Kap. 2.2.1 (Komponentenintegrationstest)
Bottom-up
Integration beginnt bei den untersten Komponenten (Blätter im Baum) und arbeitet sich nach oben. Treiber simulieren übergeordnete Komponenten.
Echte Komponenten werden früh getestet
Kein Stubs für untergeordnete Komponenten
Gesamtsystem erst spät sichtbar
Top-down
Integration beginnt bei der obersten Komponente und arbeitet sich nach unten. Stubs ersetzen noch nicht verfügbare untergeordnete Komponenten.
Gesamtarchitektur früh validierbar
Frühe Demo möglich
Viele Stubs nötig — Aufwand
Big Bang
Alle Komponenten werden gleichzeitig integriert und das Gesamtsystem auf einmal getestet. Kein schrittweises Vorgehen.
Einfach zu planen
Fehlerlokalisierung sehr schwierig
Risiko: Viele Fehler auf einmal
③ Abnahmetest — Unterarten · CTFL Kap. 2.2.1
UAT — User Acceptance Testing
Endnutzer prüfen ob das System ihre tägliche Arbeit unterstützt. Fokus: Geschäftsprozesse, Bedienbarkeit.
OAT — Operational Acceptance Testing
IT-Betrieb prüft Betriebsbereitschaft: Backup, Recovery, Wartung, Sicherheitspatches, Performanz unter Last.
Vertraglicher Abnahmetest
Prüfung gegen vertraglich vereinbarte Akzeptanzkriterien — z.B. Lieferantenvertrag, SLA.
Regulatorischer Abnahmetest
Prüfung gegen gesetzliche Anforderungen, Normen, Compliance. Z.B. DSGVO, Medizinprodukte-Richtlinie.
Alpha-Test
Im Unternehmen, durch ausgewählte (interne) Nutzer oder Kunden — kontrollierte Umgebung des Herstellers.
Beta-Test
Beim Kunden, in seiner eigenen Umgebung — unkontrolliert, echte Nutzungsbedingungen. Folgt typischerweise dem Alpha-Test.
④ Teststufe ≠ Testart — orthogonale Konzepte · CTFL Kap. 2.2.2
Matrix: Alle Testarten sind auf jeder Teststufe anwendbar
| Teststufe ↓ / Testart → | Funktionaler Test | Nicht-funk. Test | Black-Box-Test | White-Box-Test |
|---|---|---|---|---|
| ● Komponententest | ✓Logik, Berechnung | ◑Performance (Shift-Left) | ◑API-Spezifikation | ✓Code-Überdeckung |
| ● Komp.-Integrationstest | ✓Schnittstellenfunktion | ◑Zuverlässigkeit | ✓Schnittstellenspez. | ◑Integrationsstruktur |
| ● Systemtest | ✓End-to-End-Szenarien | ✓Last, Sicherheit, Usability | ✓Anforderungsbasiert | ◑Selten auf Systemebene |
| ● Syst.-Integrationstest | ✓Kommunikation, Protokolle | ✓Sicherheit, Datenschutz | ✓Schnittstellenverhalten | ◑Systemarchitektur |
| ● Abnahmetest | ✓Geschäftsprozesse | ✓Usability, Compliance | ✓Nutzeranforderungen | ◑Sehr selten |
⚠ Häufige Prüfungsfalle: Teststufe ≠ Testart — sie sind orthogonale Konzepte. Teststufe = wo im SDLC getestet wird. Testart = was getestet wird. Ein funktionaler Test (Testart) kann auf jeder Teststufe durchgeführt werden. ✓ = Schwerpunkt auf dieser Stufe · ◑ = möglich, aber seltener
⑤ Vier Testarten im Detail · CTFL Kap. 2.2.2
Testart 1 · Funktional
Funktionaler Test
Functional Testing
Bewertet Funktionen — das „Was tut es?". Prüft ob Anforderungen und Use Cases korrekt umgesetzt sind.
Testbasis: Anforderungen, funktionale Spezifikationen, Use Cases. Kann auf allen Teststufen angewandt werden.
Testbasis: Anforderungen, funktionale Spezifikationen, Use Cases. Kann auf allen Teststufen angewandt werden.
Testart 2 · Nicht-funktional
Nicht-funktionaler Test
Non-Functional Testing
Bewertet Qualitätsmerkmale — das „Wie gut tut es es?". ISO/IEC 25010 definiert: Performanz · Kompatibilität · Gebrauchstauglichkeit · Zuverlässigkeit · Sicherheit · Wartbarkeit · Übertragbarkeit · Safety.
Zusammenhang: Viele nicht-funktionale Tests leiten sich direkt von funktionalen Tests ab — da für nfunk. Tests dieselben funktionalen Testfälle verwendet werden können, ergänzt um nfunk. Messgrößen (z.B. Antwortzeit, Fehlerrate). Shift-Left: Nicht-funktionale Tests sollten so früh wie möglich beginnen — auch auf Komponentenebene.
Zusammenhang: Viele nicht-funktionale Tests leiten sich direkt von funktionalen Tests ab — da für nfunk. Tests dieselben funktionalen Testfälle verwendet werden können, ergänzt um nfunk. Messgrößen (z.B. Antwortzeit, Fehlerrate). Shift-Left: Nicht-funktionale Tests sollten so früh wie möglich beginnen — auch auf Komponentenebene.
Testart 3 · Strukturbasiert
White-Box-Test
White-Box Testing
Leitet Tests aus der internen Struktur ab — Code, Architektur, Ablaufpläne. Typisch: Anweisungsüberdeckung (SC), Zweigüberdeckung (BC).
Schwerpunkt: Komponenten- und Integrationsstufe. Nicht zu verwechseln mit: White-Box-Testverfahren (Kap. 4.3).
Schwerpunkt: Komponenten- und Integrationsstufe. Nicht zu verwechseln mit: White-Box-Testverfahren (Kap. 4.3).
Testart 4 · Spezifikationsbasiert
Black-Box-Test
Black-Box Testing
Leitet Tests aus der Spezifikation ab — ohne Kenntnis der internen Struktur. Typisch: EP, BVA, Entscheidungstabellen.
Schwerpunkt: System- und Abnahmestufe. Gilt für funktionale UND nicht-funktionale Tests.
Schwerpunkt: System- und Abnahmestufe. Gilt für funktionale UND nicht-funktionale Tests.
⑥ Fehlernachtest vs. Regressionstest · CTFL Kap. 2.2.3
CT · Confirmation Testing
Fehlernachtest
Confirmation Testing (Re-Test)
Frage
Ist der behobene Fehlerzustand wirklich weg?
Auslöser
Ein spezifischer Fehlerzustand wurde gemeldet und behoben.
Umfang
Gezielt — nur die Testfälle die vorher fehlschlugen, plus ggf. neue Tests für die Änderung.
Je nach Risiko
Vollständige Wiederholung aller fehlgeschlagenen Tests oder — bei Zeit-/Geldmangel — nur die Testschritte, die die konkrete Fehlerwirkung reproduziert haben.
Automatisierung
Selektiv — oft manuell oder kleiner automatisierter Subset.
RT · Regression Testing
Regressionstest
Regression Testing
Frage
Hat die Änderung etwas anderes (vorher Funktionierendes) kaputt gemacht?
Auslöser
Jede Änderung am System — Fehlerbehebung, neues Feature, Refactoring.
Umfang
Breit — Regressionstestsuiten wachsen mit jeder Iteration. Entscheidung: vollständig vs. risikobasiert ausgewählt.
Automatisierung
Sehr gut geeignet — da Suiten viele Male wiederholt werden. Empfehlung: CI/CD-Pipeline.
⚠ Häufige Verwechslung: Fehlernachtest = „Ist der Bug weg?" · Regressionstest = „Hat die Fehlerbehebung einen anderen Bug erzeugt?" — Beide können und sollen auf allen Teststufen angewendet werden, wann immer Fehlerzustände behoben oder Änderungen vorgenommen wurden.
⑦ Wartungstest · CTFL Kap. 2.3 · FL-2.3.1 (K2)
Was ist Wartungstest?
Wartungstest wird durchgeführt, wenn ein bestehendes System geändert, migriert oder außer Betrieb genommen wird — also nach der initialen Auslieferung, im laufenden Betrieb.
Der Umfang hängt ab von:
Der Umfang hängt ab von:
- Grad des Risikos der Änderung
- Größe des bestehenden Systems
- Umfang der Änderung selbst
Wichtig: Wartungstest ≠ eigene Teststufe. Er kann auf jeder Teststufe stattfinden und umfasst typischerweise sowohl Fehlernachtests als auch ausgedehnte Regressionstests — da Änderungen am bestehenden System unbeabsichtigte Seiteneffekte auslösen können.
Auslöser für Wartungstest (CTFL Kap. 2.3)
① Änderungen
② Umgebungsmigration
③ Außerbetriebnahme
⚠ Prüfungsrelevanz FL-2.3.1 (K2): Der Lernziel-Level ist K2 (verstehen/erklären) — du sollst Wartungstest und seine Auslöser zusammenfassen können. Die drei Auslöserkategorien (Änderungen · Umgebungsmigration · Außerbetriebnahme) sind prüfungsrelevant. Der Zusammenhang mit Regressionstest ist zentral: jede Wartungsänderung erfordert typischerweise einen Regressionstest des betroffenen Systems.
⑧ Visuelle Zusammenhänge — V-Modell & Testpyramide
V-Modell — Teststufen & Entwicklungsphasen
Testpyramide — Testvolumen & Automatisierungsgrad
⚡ Zusammenhang: Testpyramide & Shift-Left: Die Pyramide zeigt: Je früher (weiter unten) ein Fehler gefunden wird, desto günstiger ist die Behebung. Shift-Left bedeutet, möglichst viele Tests auf die niedrigste sinnvolle Teststufe zu verschieben. Ein Bug der im Komponententest gefunden wird kostet typischerweise 10–100× weniger als derselbe Bug im Abnahmetest.